Methodik & Datenquellen
Wie engpassradar.ch Schweizer Medikamenten-Lieferengpässe erfasst, aufbereitet und bewertet
Datenquellen
Private Plattform der Martinelli Consulting GmbH zur Erfassung von Medikamenten-Lieferengpässen in der Schweiz. Pharmaunternehmen melden hier freiwillig Engpässe und Erlöschungen von Zulassungen. Alle Produktdaten, Status-Codes und Alternativprodukte stammen aus dieser Quelle.
Das BWL publiziert die Liste der pflichtlagerpflichtigen Heilmittel. Produkte auf dieser Liste sind für die Versorgungssicherheit der Schweiz besonders kritisch — bei einem Engpass besteht erhöhtes Risiko für Patienten.
Die Open Drug Database liefert Apothekenverkaufspreise (Ex-Factory) sowie ATC-Codes für gemeldete Produkte. Diese Daten werden täglich abgeglichen, um Preisveränderungen und therapeutische Einordnung aktuell zu halten.
Erhebung & Aktualisierung
täglich
Aktualisierungsrhythmus
9'255+
erfasste Präparate
9'373+
Engpass-Episoden gesamt
705+
aktuell aktive Engpässe
Ein automatisierter Scraper läuft täglich und ruft alle gemeldeten Engpässe von drugshortage.ch ab. Dabei werden neue Produkte erfasst, bestehende Einträge aktualisiert und — falls ein Produkt von der Plattform verschwindet — die Engpass-Episode als geschlossen markiert (resolved). Diese Episode-Logik ermöglicht es, die Gesamtdauer und Häufigkeit von Engpässen pro Wirkstoff über Zeit zu analysieren.
Preise und ATC-Codes werden in einem separaten Schritt aus ODDB abgeglichen. Die Pflichtlagerliste des BWL wird bei jeder Scrape-Runde verglichen, da sie sich nur selten ändert.
Episode-Tracking
Jeder Engpass wird als Episode verfolgt — eine zeitlich abgegrenzte Periode, in der ein Produkt auf drugshortage.ch als Engpass gemeldet ist. Verschwindet ein Produkt aus der Meldeplattform, gilt die Episode als abgeschlossen. Taucht dasselbe Produkt später erneut auf, beginnt eine neue Episode.
| Feld | Beschreibung |
|---|---|
| opened_at | Datum, an dem das Produkt erstmals in diesem Scrape-Zyklus als Engpass erschien |
| closed_at | Datum, an dem das Produkt nicht mehr in der Meldeplattform gelistet war |
| duration_days | Berechnete Dauer der Episode (closed_at − opened_at) |
| is_active | true, solange der Engpass aktuell aktiv ist |
Analytische Auswertung
Für Analysen wie «Häufigste Lieferengpässe nach Wirkstoff» werden Produktnamen normalisiert: Der erste Teil des Handelsnamens (vor Stärke- und Darreichungsformangabe) dient als Proxy für den Wirkstoff. Wirkstoff-Gruppierungen ermöglichen es, mehrere Stärken und Generika eines Medikaments zusammenzufassen — z. B. «Pregabalin» mit 22 aktiven Stärken/Firmen gleichzeitig.
Eine exakte Wirkstoff-Normalisierung via ATC-Code ist für zukünftige Versionen geplant. Die aktuelle Methodik deckt den Grossteil der Fälle ab, kann jedoch bei Kombinationspräparaten oder stark abweichenden Handelsnamen unvollständig sein.
Severity Score
Wie der engpass.radar Severity Score berechnet wird
Was ist der Score?
Der engpass.radar Score ist ein proprietärer Index (0–100), der den Schweregrad eines Lieferengpasses auf einen einzigen Wert verdichtet. Höhere Werte bedeuten schwerwiegendere Engpässe. Der Score kombiniert vier unabhängig gewichtete Faktoren und ermöglicht so eine schnelle Priorisierung — z. B. bei der täglichen Versorgungsprüfung in Spital- oder öffentlichen Apotheken.
Der Score ersetzt keine klinische Beurteilung. Er ist ein Screening-Werkzeug, das auf öffentlich verfügbaren Daten aus drugshortage.ch und dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) basiert.
Stufen
Kritisch
Höchste Priorität: keine Alternativen, lange Dauer, Unternehmen kommuniziert nicht, BWL-relevant.
Hoch
Erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich: mehrere belastende Faktoren kombiniert.
Mittel
Moderater Engpass: einzelne Faktoren erhöhen den Schweregrad, Alternativen oft vorhanden.
Niedrig
Geringes Risiko: kurze Dauer, gute Kommunikation, Alternativen verfügbar.
Die vier Faktoren
1. Transparenz
0–35 PunkteBewertet wie offen das Unternehmen über den Engpass kommuniziert. Hohe Transparenz (Status 1) führt zu weniger Punkten — denn ein kooperatives Unternehmen mindert das Risiko für Apotheken und Patienten. Keine Information (Status 4) ist der schwerwiegendste Fall.
| Status-Code | Bezeichnung | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Direkt gemeldet — volle Transparenz | 5 |
| 2 | Gemeldet — ohne Exklusivzugang | 12 |
| 3 | Sporadische Meldungen | 22 |
| 4 | Keine Information vom Unternehmen | 35 |
| 5 | Verhandlungen laufend | 20 |
2. Dauer
0–30 PunkteLängere Engpässe sind schwerer überbrückbar. Die Dauer basiert auf Tage seit Meldungaus drugshortage.ch (Feld "Gemeldet am").
| Dauer | Punkte |
|---|---|
| ≤ 14 Tage | 5 |
| 15–30 Tage | 10 |
| 31–90 Tage (3 Monate) | 17 |
| 91–180 Tage (6 Monate) | 22 |
| 181–365 Tage (1 Jahr) | 27 |
| > 1 Jahr | 30 |
3. Keine Alternativen
0 oder 20 PunkteExistieren auf drugshortage.ch gelistete Alternativen (wirkstoffgleiche Produkte)? Wenn ja, ist der Engpass überbrückbar und der Faktor zählt 0 Punkte. Fehlen Alternativen, erhöht sich der Score um 20 Punkte.
4. Pflichtlager / BWL
0 oder 15 PunkteIst das Produkt auf der Pflichtlagerliste des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL)? Pflichtlagerpflichtige Produkte sind für die Schweizer Versorgungssicherheit kritisch. Trifft dies zu: +15 Punkte. Datenquelle: täglicher Abgleich mit bwl.admin.ch.
Formel
Score = Transparenz (0–35)
+ Dauer (0–30)
+ Alternativen (0–20)
+ BWL (0–15)
─────────────────────
= 0–100Einschränkungen & Hinweise
- Der Score bewertet keinen therapeutischen Bedarf — ein Antihistaminikum mit Score 80 ist nicht zwingend dringlicher als ein Herzmedikament mit Score 40.
- Alternativ-Erkennung basiert auf dem von drugshortage.ch gemeldeten Link, nicht auf einer vollständigen Wirkstoff-Datenbank.
- Transparenz-Bewertung kann sich täglich ändern, wenn Unternehmen ihren Kommunikationsstatus aktualisieren.
- Der Score wird bei jeder Seitenanfrage live berechnet — keine separate Datenbankspeicherung.