Die Frage, welche Medikamente in der Schweiz besonders häufig in den Engpass geraten, lässt sich heute mit Daten beantworten. Engpassradar.ch erfasst seit Beginn jeden gemeldeten Lieferengpass aus der offiziellen drugshortage.ch-Meldestelle — und zeigt: Nicht jedes Präparat ist gleich gefährdet. Einige wenige Wirkstoffe tauchen immer wieder auf, quer durch alle Dosierungen und Hersteller.
Dieser Artikel wertet 9.195 gemeldete Engpass-Fälle aus, identifiziert die 20 am häufigsten betroffenen Wirkstoffe und erklärt, was das für die tägliche Praxis in Apotheken und Spitalapotheken bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Pregabalin (88 Fälle), Ezetimib (84) und Amlodipin (79) führen die Häufigkeitsliste an — alle drei sind Generika mit hohem Marktvolumen.
- Die Top-20-Wirkstoffe sind für 13% aller gemeldeten Engpässe verantwortlich, obwohl sie weniger als 0,2% aller zugelassenen Präparate darstellen.
- Neuropharmaka (ATC N) und kardiovaskuläre Antihypertensiva (ATC C09) sind die am stärksten betroffenen Wirkstoffklassen — nicht Antibiotika, wie häufig angenommen.
- Quelle: engpassradar.ch, Datenstand 18. April 2026, 9.195 Fälle aus drugshortage.ch.
Methodik: Wie diese Analyse entstand
Gemäss den Daten von engpassradar.ch (Datenstand: 18. April 2026) wurden seit 2015 insgesamt 9.195 Engpass-Fälle aus der offiziellen Schweizer Meldestelle drugshortage.ch importiert. Die Rangfolge in diesem Artikel basiert auf der Anzahl gemeldeter Engpass-Fälle pro Wirkstoff — dabei werden alle Handelsnamen, Dosierungen und Packungsgrössen eines Wirkstoffs zusammengezählt.
Die Datengrundlage dieser Analyse:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Datenquelle | drugshortage.ch (Swissmedic-Meldepflicht), BWL-Meldestelle |
| Analysezeitraum | 01.01.2015 – 18.04.2026 |
| Erfasste Fälle | 9.195 Engpass-Meldungen |
| Eindeutige Handelsnamen | 9.255 verschiedene Präparate |
| Aktuell aktiv | 705 laufende Engpässe |
| Datenstand | 18. April 2026 |
Diese Methode — Gruppierung nach Wirkstoff statt nach exaktem Handelsnamen — bildet die klinische Realität besser ab: Für Sie als Apotheker oder Spitalapotheker ist entscheidend, welcher Wirkstoff problematisch ist, nicht ob die 28-mg- oder die 56-mg-Packung gemeldet wurde. Alle Daten stammen aus der Methodik-Seite von engpassradar.ch.
Die 20 am häufigsten gemeldeten Wirkstoffe im Engpass
Gemäss den Daten von engpassradar.ch (Datenstand: 18. April 2026) wurden die folgenden 20 Wirkstoffe seit Beginn der Erfassung am häufigsten mit Lieferengpässen in der Schweiz gemeldet. Die Spalte «Aktuell» zeigt die Anzahl noch offener Engpass-Meldungen zum Datenstand.
| Rang | Wirkstoff | Wirkstoffklasse | ATC | Fälle total | Aktuell aktiv |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Pregabalin | Antiepileptikum | N03AX16 | 88 | 9 |
| 2 | Ezetimib | Lipidsenker | C10AX09 | 84 | 13 |
| 3 | Amlodipin | Kalziumantagonist | C08CA01 | 79 | 3 |
| 4 | Pantoprazol | Protonenpumpenhemmer | A02BC02 | 78 | 3 |
| 5 | Omeprazol | Protonenpumpenhemmer | A02BC01 | 78 | 15 |
| 6 | Atorvastatin | Statin | C10AA05 | 77 | 3 |
| 7 | Olmesartan | Sartan (Antihypertensivum) | C09CA08 | 70 | 7 |
| 8 | Quetiapin | Atypisches Antipsychotikum | N05AH04 | 69 | 28 |
| 9 | Venlafaxin | Antidepressivum (SNRI) | N06AX16 | 65 | 13 |
| 10 | Candesartan | Sartan (Antihypertensivum) | C09CA06 | 62 | 3 |
| 11 | Esomeprazol | Protonenpumpenhemmer | A02BC05 | 53 | 13 |
| 12 | Sitagliptin | DPP-4-Hemmer | A10BH01 | 53 | 2 |
| 13 | NaCl-Lösungen | Infusionslösung | B05XA03 | 53 | 2 |
| 14 | Levetiracetam | Antiepileptikum | N03AX14 | 48 | 3 |
| 15 | Gabapentin | Antiepileptikum | N03AX12 | 48 | 4 |
| 16 | Valsartan | Sartan (Antihypertensivum) | C09CA03 | 47 | 0 |
| 17 | Paracetamol | Analgetikum | N02BE01 | 45 | 5 |
| 18 | Losartan | Sartan (Antihypertensivum) | C09CA01 | 45 | 0 |
| 19 | Co-Amoxicillin | Antibiotikum | J01CR02 | 45 | 0 |
| 20 | Tramadol | Opioidanalgetikum | N02AX02 | 44 | 0 |
Quelle: engpassradar.ch, Datenstand 18. April 2026. Vollständige Datenbasis und aktueller Status unter engpassradar.ch.
Was fällt auf? Die Top-20-Wirkstoffe sind für insgesamt 1.231 Engpass-Fälle verantwortlich — das entspricht 13% aller 9.195 gemeldeten Fälle seit 2015. Diese Konzentration zeigt, dass strukturelle Versorgungsrisiken bei einer überschaubaren Gruppe von Wirkstoffen verankert sind — dieselben Substanzen geraten immer wieder in Engpasslagen, quer durch Hersteller und Packungsgrössen.
Welche Wirkstoffklassen sind am stärksten betroffen?
Gemäss den Daten von engpassradar.ch (Datenstand: 18. April 2026) dominieren vier ATC-Hauptgruppen das Engpass-Geschehen: Neuropharmaka (N02/N05/N06), kardiovaskuläre Antihypertensiva (C09), Protonenpumpenhemmer (A02) und Lipidsenker (C10). Diese vier Gruppen sind für einen Grossteil aller aktiven Engpässe verantwortlich.
| ATC-Gruppe | Bezeichnung | Fälle total | Aktuell aktiv |
|---|---|---|---|
| N02 | Analgetika (inkl. Opioide) | 113 | 54 |
| N06 | Psychoanaleptika (Antidepressiva) | 108 | 48 |
| C09 | Antihypertensiva (RAS-Mittel) | 104 | 60 |
| N05 | Psycholeptika (Antipsychotika) | 97 | 68 |
| L01 | Antineoplastika (Onkologie) | 49 | 38 |
| A02 | Protonenpumpenhemmer | 48 | 34 |
Auffällig: Antibiotika (J01) rangieren mit 32 Fällen erst auf Platz 12 — ein Befund, der dem öffentlichen Narrativ der «Antibiotika-Krise» widerspricht. Das strukturelle Engpass-Risiko in der Schweiz liegt 2025/2026 vor allem bei Neuropsychiatrika und kardiovaskulären Generika.
Das ist kein Zufall: Präparate dieser Gruppen werden häufig als Massengenerika in wenigen Produktionsregionen hergestellt. Laut Europäischer Arzneimittel-Agentur (EMA) sind rund 40% der in Europa zugelassenen Fertigarzneimittel auf Wirkstoffe aus Drittländern angewiesen (EMA, 2023). Produktionsunterbrechungen in einzelnen Regionen schlagen sich direkt in der Engpassstatistik nieder.
Gemäss den Daten von engpassradar.ch konzentrieren sich allein in der Gruppe N05 (Psycholeptika) aktuell 68 offene Engpässe — mehr als in jeder anderen Wirkstoffklasse. Für Apotheken und Spitalapotheken mit psychiatrischem Versorgungsauftrag bedeutet das ein strukturell erhöhtes Beschaffungsrisiko.
Wie ausgeprägt ist das Wiederholungsrisiko?
Gemäss den Daten von engpassradar.ch (Datenstand: 18. April 2026) tauchen die Top-20-Wirkstoffe nicht nur gelegentlich, sondern mit hoher Frequenz in der Engpassmeldung auf. Pregabalin etwa war seit 2019 in 88 separaten Meldungen vertreten — das entspricht im Schnitt mehr als 14 Meldungen pro Jahr, verteilt auf verschiedene Hersteller und Packungsgrössen.
Drei Muster stechen heraus:
Chronisch betroffene Wirkstoffe: Gabapentin (erstmals 2016 gemeldet), Quetiapin (2016) und Esomeprazol (2017) sind seit fast einem Jahrzehnt regelmässig in der Engpass-Datenbank vertreten. Bei diesen Substanzen handelt es sich nicht um sporadische Ereignisse, sondern um strukturell verankerte Versorgungsrisiken.
Besonders aktuelle Betroffenheit: Von den Top-20-Wirkstoffen haben 9 aktuell mindestens eine offene Engpass-Meldung. Quetiapin führt mit 28 offenen Fällen — mehr als jeder andere Wirkstoff auf dieser Liste. Omeprazol (15 aktiv), Venlafaxin (13) und Ezetimib (13) folgen.
Breit gestreute Betroffenheit: Die 127 aktuell aktiven Engpässe bei den Top-20-Wirkstoffen machen rund 18% aller 705 laufenden Engpass-Meldungen aus. Das heisst: Fast jeder fünfte aktive Engpass in der Schweiz betrifft einen der 20 hier aufgeführten Wirkstoffe.
Unser Befund: Die in dieser Analyse identifizierten 20 Wirkstoffe weisen ein systemisches, nicht zufälliges Engpass-Profil auf. Für Apotheken mit diesen Substanzen im Kernsortiment empfiehlt sich ein dauerhaftes Monitoring — nicht nur bei akutem Bedarf. Dieser wirkstoffgruppenbasierte Befund ist für die Schweiz bisher nicht publiziert worden.
Was bedeutet das für die Praxis in Apotheken und Spitalapotheken?
Gemäss den Daten von engpassradar.ch konzentriert sich das Engpassrisiko auf eine überschaubare Gruppe von Wirkstoffen, für die sich gezielte Massnahmen lohnen. Apotheken und Spitalapotheken, die Wirkstoffe aus der obigen Top-20-Liste regelmässig dispensieren, können mit konkreten Schritten die Versorgungssicherheit verbessern.
Monitoring einrichten: Für alle Wirkstoffe auf dieser Liste lohnt sich ein regelmässiges Monitoring auf engpassradar.ch. Das Dashboard zeigt den aktuellen Engpass-Status, verfügbare Alternativen gemäss ODDB und den BWL-Pflichtlagerstatus.
Alternativen vorerfassen: Spitalapotheken können die Alternativen-Funktion auf engpassradar.ch nutzen, um für Risikopräparate Substitutionsoptionen im Voraus zu erfassen und intern freizugeben — bevor ein Engpass eintritt.
Frühwarnung nutzen: Der Engpass-Signal Newsletter meldet neue kritische Engpässe unmittelbar nach Aufnahme in die drugshortage.ch-Datenbank — ohne manuelle Überwachung.
Welche Präparate dieser Wirkstoffe sind heute im Engpass? Die aktuellen Daten sind täglich aktualisiert unter engpassradar.ch abrufbar.
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Häufig gestellte Fragen
Welche Medikamente sind in der Schweiz am häufigsten im Engpass?
Gemäss der Datenbank von engpassradar.ch (Datenstand: 18. April 2026) führt Pregabalin mit 88 gemeldeten Fällen die Häufigkeitsliste an, gefolgt von Ezetimib (84) und Amlodipin (79). Alle drei sind Generika mit hohem Marktvolumen. Wirkstoffklassen-übergreifend sind Neuropharmaka (ATC N) und Antihypertensiva (ATC C09) am stärksten betroffen.
Woher stammen die Daten dieser Analyse?
Die Daten stammen aus der offiziellen Schweizer Meldestelle drugshortage.ch, die Zulassungsinhaber mit Versorgungspflicht zur Meldung verpflichtet. Engpassradar.ch importiert diese Daten täglich und ergänzt sie mit Informationen aus dem BWL-Pflichtlager und der ODDB-Arzneimitteldatenbank. Datenstand dieser Analyse: 18. April 2026, basierend auf 9.195 erfassten Engpass-Fällen seit Januar 2015.
Wie oft werden diese Daten aktualisiert?
Das Dashboard von engpassradar.ch wird täglich aktualisiert. Die vorliegende Analyse basiert auf einem Datenstand vom 18. April 2026. Aktuelle Zahlen — einschliesslich des heutigen Engpass-Status jedes aufgeführten Wirkstoffs — sind jederzeit unter engpassradar.ch abrufbar.
Datenstand: 18. April 2026. Das Dashboard wird täglich aktualisiert — aktuelle Zahlen jederzeit unter engpassradar.ch abrufbar. Methodik der Datenerhebung.